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Warum die Trauer um Angehörige zur Sucht werden kann |
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Geschrieben von Dan French
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Friday, 11. July 2008 |
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San Francisco – Menschen, die den Verlust
eines Angehörigen nicht überwinden, reagieren mit einer komplizierten
Trauer.
Die nach einer Studie in NeuroImage (2008; doi:
10.1016/j.neuroimage.2008.04.256) Zeichen einer Sucht annehmen kann. Trauer
ist nach dem Tod eines engen Angehörigen eine normale Reaktion. Wenn
aber die Trauer auch nach sechs Monate noch keine Tendenz zur Abnahme
erkennen lässt und die Anpassung an die neue Wirklichkeit nicht
gelingt, sprechen Psychologen von einer komplizierten Trauer.
Die
Betroffenen wirken depressiv, viele ziehen sich zurück und vereinsamen.
Psychologen schreiben der komplizierten Trauer einen Krankheitswert zu
und fordern eine Berücksichtigung in der nächsten Version des
Diagnose-Manuals DSM-V. Die jetzt von Mary-Frances O'Connor und
Mitarbeitern von der Universität von Kalifornien in San Francisco
vorgestellte Arbeit dürfte diese Forderung unterstützen.
Die
Forscher untersuchten 23 Frauen, die eine Mutter oder Schwester durch
Brustkrebs verloren hatten. Da das Mammakarzinom eine starke familiäre
Häufung zeigt, kommt bei den Betroffenen neben der Trauer um den nahen
Angehörigen noch die Angst vor einer eigenen Erkrankung hinzu, was die
Gefahr einer komplizierten Trauer erhöht: Sie wurde bei elf der 23
Frauen diagnostiziert.
Die Frauen wurden gebeten, ein Foto der
Verstorbenen mitzubringen. Sie betrachteten dieses, während sie in der
Röhre eines Kernspintomografen ( MRI) lagen. Mittels der funktionellen
MRI wurde die neuronale Aktivität in den einzelnen Hirnregionen
bestimmt. Als Vergleich dienten Aufnahmen, die beim Betrachten des
Bildes einer unbekannten Frau gemacht wurden. Der Unterschied zwischen
den beiden Aufnahmen machte die Trauer für die Hirnforscher
lokalisierbar.
Zu den Hirnzentren, die bei der komplizierten
Trauer besonders starke Signale abgeben, gehört der Nucleus accumbens.
Diese Kernstruktur – im basalen Vorderhirn gelegen – gehört zum
Belohnungssystem des Gehirns, das für die Entstehung der Drogensucht
von zentraler Bedeutung ist. Es spielt aber auch bei sozialen Kontakten
eine Rolle.
Mutterbindung und die engen Beziehungen zu
Geschwistern sind laut O'Connor eng an das Belohnungssystem gebunden.
Die Gegenwart von vertrauten Personen oder entsprechende Schlüsselreize
führen zu einer Aktivierung des Nucleus accumbens.
Die gleiche
Wirkung hat die Erinnerung bei der Trauer. Das allmähliche Abklingen
der Aktivierung im Nucleus accumbens könnte ein Kennzeichen der
erfolgreichen Trauerarbeit sein, glauben die Hirnforscher. Bleibt die
Aktivierung unvermindert erhalten, sei dies ein Zeichen, dass die
Trennung von den Angehörigen noch nicht gelungen ist. Wie bei der
Drogensucht bleibt ein craving, ein dauerhaftes Verlangen nach der
Gegenwart der Verstorbenen.
Zu dem Schmerz, den der Verlust
von Angehörigen hinterlässt, hatte dies übrigens keine Beziehung. Die
Hirnforscher bringen den Trennungsschmerz mit einer Aktivierung im
hinteren Anteil des anterioren Gyrus cinguli (ACC) und in der Insula in
Verbindung. Hier wurden in beiden Gruppen vergleichbare
Aktivierungsmuster gesehen. Nach den fMRI-Aufnahmen zu urteilen, ist
die Erinnerung an die Verstorbenen nach erfolgreicher Trauer ebenso
schmerzhaft wie nach komplizierter Trauer.
© rme/aerzteblatt.de
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