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Warum auf dem Balkan Mehl die Nieren krank macht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Dan French   
Saturday, 22. March 2008
 
Forscher finden langgesuchte Ursache für endemische Nephropathie
 
Verunreinigtes Mehl ist wahrscheinlich der seit Jahrzehnten gesuchte Auslöser einer ungewöhnlichen Nierenerkrankung, die ausschließlich in ländlichen Gegenden des Balkans auftritt.
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Quellen: MedInfo.de - Reuters - Wissenschaft.de 

Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie amerikanischer und kroatischer Wissenschaftler hin. Demnach lässt sich das für die so genannte endemische Nephropathie typische Nierenversagen auf eine Vergiftung mit Aristolochiasäure zurückführen, einem Inhaltsstoff der Osterluzei, die als Unkraut häufig in Weizenfeldern der Region anzutreffen ist. Wahrscheinlich geraten die Samen der Pflanze beim Ernten des Getreides zwischen die Getreidekörner, werden zusammen mit ihnen zu Mehl verarbeitet und so schließlich mit dem Brot konsumiert, vermuten die Forscher um Arthur Grollman.

Erstmals beschrieben wurde das Krankheitsbild, das wegen seines ausschließlichen Auftretens in Bulgarien, Kroatien, Serbien, Rumänien und Bosnien auch als Balkan-Nephropathie bekannt ist, in den späten 1950er Jahren. Gekennzeichnet ist es durch ein fortschreitendes Nierenversagen ohne den damit sonst meist einhergehenden Bluthochdruck und eine ungewöhnlich hohe Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen der oberen Harnwege. Trotz intensiver Suche konnte die Ursache der Krankheit bisher nicht eindeutig geklärt werden. Vermutet wurde der Auslöser etwa in einer Schwermetallkontamination von Boden oder Grundwasser, einer Virusinfektion oder dem chronischen Einwirken von Schimmelpilzgiften.

Auf die Idee, die Toxine der gemeinen Osterluzei (Aristolochia clematitis) könnten der Auslöser sein, waren Wissenschaftler zwar bereits 1969 gekommen: Sie entdeckten Berichte über eine Nierenkrankheit bei Pferden, die nach dem Verzehr von Osterluzei aufgetreten war und die gleichen Symptome verursachte wie die Balkan-Nephropathie. Wirklich geprüft wurde diese These bislang allerdings nicht. Grollman und sein Team untersuchten nun Gewebe aus den Nieren und den Tumoren von Betroffenen und entdeckten zwei typische Folgen von Aristolochiasäure-Vergiftungen: eine charakteristische Schädigung des Erbguts und eine Veränderung in einem Gen, das für den Schutz vor Krebserkrankungen zuständig ist.

Da die Osterluzei als traditionelle Arzneipflanze etwa gegen Schlangenbisse oder zur Verbesserung der Wundheilung gilt, habe zuerst geklärt werden müssen, ob sie nicht absichtlich eingenommen worden sei, so die Forscher. Das habe jedoch ausgeschlossen werden können, so dass die wahrscheinlichste Quelle der Vergiftung das häufig noch in der Dorfmühle gemahlene Getreide sei. Zwar müsse das noch in größeren Studien überprüft werden. Die Ergebnisse bestätigten jedoch bereits jetzt, dass die Aristolochiasäure-Vergiftung einer der Hauptauslöser, wenn nicht gar der einzige Auslöser der Krankheit ist.


Arthur Grollman (Stony-Brook-Universität, New York) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0701248104

ddp/wissenschaft.de - Ilka Lehnen-Beyel
 
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